11.09.2012: BARC Studie zu Trends im deutschen BI Markt

CIO: Barc-Studie - Trends im deutschen BI-Markt

SAP vor Oracle und IBM

Die Umsätze mit Business-Intelligence-Software stiegen 2011 überproportional. Kleine Anbieter nehmen den großen Dienstleistern zunehmen Marktanteile ab.

Unternehmen in Deutschland investierten im Jahr 2011 trotz Euro-Krise kräftig in Software zur Datenauswertung. Die Lizenz- und Wartungsumsätze mit BI-Lösungen (Business Intelligence) stiegen im Vergleich zu 2010 um 11,8 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 1,07 Milliarden Euro. Sie lagen damit deutlich über der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate = CAGR) von 10,8 Prozent in den letzten fünf Jahren.

Das ist ein Kernergebnis der Studie "Business-Intelligence-Softwaremarkt in Deutschland 2011", die das Forschungs- und Beratungsinstitut Business Application Research Center (Barc) jährlich herausgibt. Klarer Marktführer im BI-Gesamtmarkt ist nach wie vor SAP mit einem Umsatz von 171 Millionen Euro und einem Marktanteil von 16 Prozent.

SAS vor Microsoft und Informatica

Auf den Plätzen zwei und drei folgen Oracle mit 140 Millionen Euro Umsatz bei einem Marktanteil von 13 Prozent und IBM mit 135 Millionen Euro Umsatz bei ebenfalls 13 Prozent Marktanteil. Die Plätze vier bis sechs belegen SAS, Microsoft und Informatica. SAS erwirtschaftete mit BI-Software bei einem Marktanteil von elf Prozent 115 Millionen Euro Umsatz, Microsoft 83 Millionen (Marktanteil: 7,8 Prozent) und Informatica 43 Millionen (Marktanteil: vier Prozent).

Die aktuelle die Studie stellt aber eine Trendumkehr bei der Marktkonzentration auf die großen Anbieter fest. "Diese schreitet nicht weiter fort", sagt Carsten Bange, Geschäftsführer des Barc Instituts und Hauptautor der Studie. Die Top-fünf-BI-Anbieter vereinten 2011 insgesamt "nur" noch 60,8 Prozent Anteil am BI-Gesamtmarkt auf sich. Im Jahr davor waren es noch 62,5 Prozent.

Laut Bange würden Anbieter aus dem Mittelfeld mit innovativen und auf Fachanwender ausgerichteten BI-Lösungen stark wachsen und den großen Anbietern das Leben zunehmend schwer machen. Zum Beispiel steigerte Qliktech im Jahresvergleich seinen Umsatz um 40 Prozent auf 36 Millionen Euro. Damit belegt das Unternehmen Platz sieben im Anbieter-Ranking - noch vor etablierten BI-Herstellern wie Microstrategy und Teradata.

Gedränge: Mehr als 250 BI-Anbieter

Ein weiterer Grund für die rückläufige Marktkonzentration liegt darin, dass immer mehr ausländische BI-Anbieter im Rahmen einer Internationalisierungsstrategie auf den deutschen Markt drängen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 250 Anbieter von BI-Software. 58 davon erwirtschafteten im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro. 2010 waren es 54 und 52 im Jahr 2009.

Alles zusammen trug dazu bei, dass 2011 von den Top-fünf-BI-Anbietern SAP, Oracle und SAS zwar mehr Umsatz mit BI-Software machten, sie jedoch gleichzeitig leicht Marktanteile einbüßten. Bei SAP waren es 0,8 Prozent, bei Oracle 1,1 Prozent und bei SAS 0,4 Prozent. Einen kleinen Sprung nach vorn beim Marktanteil machten lediglich IBM und Microsoft mit einem Plus von 0,5 und 0,3 Prozent.

BI-Frontends wachsen überproportional

Das Forschungs- und Beratungsinstitut teilt den BI-Gesamtmarkt in die Bereiche "BI-Anwenderwerkzeuge (= BI-Frontends)" und dem "BI-Datenmanagement" ein. Dabei legten insbesondere die Umsätze mit BI-Frontends im letzten Jahr überproportional zu. Sie stiegen um 14 Prozent auf 630 Millionen Euro, was einem Anteil von knapp 60 Prozent am BI-Gesamtmarkt entspricht.

Im Segment für das BI-Datenmanagement stiegen die Umsätze im selben Zeitraum lediglich um neun Prozent auf 440 Millionen Euro. Zu den BI-Frontends zählen Berichts-, Analyse-, Data-Mining-, Planungs- und Konsolidierungs-Tools sowie OLAP-Lösungen sowie multidimensionale Datenbanken. Das BI-Datenmanagement umfasst Software für die Datenintegration, das Datenqualitätsmanagement, Stammdatenmanagement wie auch die relationalen oder analytischen Datenbanken in BI-Systemen.

Freiwillige Selbstauskunft und Schätzungen

Für die Studie befragte das Barc alle ihm bekannten BI-Softwareanbieter und leitete daraus quantitative und qualitative Aussagen zum Markt ab. Die Umsatzwerte basieren auf freiwilligen Selbstauskünften der Softwarehersteller, öffentlich verfügbaren Informationen, individuellen Marktrecherchen und Methoden der Zeitreihenanalyse. Teilweise wurden Umsatzwerte geschätzt.

Der BI-Softwareumsatz setzt sich aus verkauften Lizenzen und den Wartungs- oder Mietgebühren für BI-Werkzeuge und -Anwendungen und Datenmanagementkomponenten für ein BI-System zusammen. Darin fließen auch Kostenanteile für die Bereitstellung im Rahmen von Application Service Providing (ASP) oder als Software as a Service (SaaS) ein.

Quelle: CIO / Autor: Andreas Schaffry
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